Gerüchte über Japan einmal richtig gestellt

Einige hartnäckige Irrtümer und Gerüchte über Japan einmal richtig gestellt 

Japan ist bekannt als das Land der aufgehenden Sonne und als das Land des Lächelns. Wer an Japan denkt, hat automatisch Mangas, Sushi und allerlei Technik vor Augen. Viele Vorstellungen, die der durchschnittliche Europäer von Japan hat, sind jedoch schlichtweg falsch.

Gleichzeitig ist es mit Klischees und Vorurteilen aber häufig so, dass sie sich fest in den Köpfen verankern und zum festen Bestandteil der öffentlichen Meinung werden.

Die Deutschen gelten im Ausland schließlich auch als diejenigen, die fleißig und pünktlich sind, nicht unbedingt Spaß verstehen, Lederhosen tragen und permanent Bratwurst und Sauerkraut essen. Grund genug, eine Liste zusammenzustellen, die einige hartnäckige Irrtümer und Gerüchte über Japan einmal richtig stellt: 

 

Japaner sind immer höflich und lächeln stets.

Egal ob der Nachrichtensprecher im Fernsehen, der über eine Katastrophe oder einen großen Skandal berichtet, der Verkäufer im Geschäft, der gerade die Reklamation eines Kunden bearbeitet, der Kellner im Restaurant oder die Menschen auf der Straße, Japaner scheinen immer zu lächeln.

Sie scheinen immer entspannt, höflich und ruhig zu bleiben und nie ihr Gesicht zu verziehen. Es ist richtig, dass Japaner im Normalfall die Fassung bewahren, ihr sanftes Lächeln mit geschlossenem Mund aufrechterhalten und zu verhindern versuchen, dass sie selbst oder ihre Gegenüber das sprichwörtliche Gesicht verlieren.

Wer aber genau hinsieht, wird feststellen, dass es viele verschiedene Arten des Lächelns gibt. Letztlich haben Japaner nämlich eine genauso deutliche Mimik wie wir, nur dass der Außenstehende eben erst lernen muss, sie zu erkennen und zu deuten. 

 

Japaner sind echte Technik-Fans.

In Europa herrscht das gängige Klischee, dass es in Japan nur so von technischen Spielereien wimmelt. Viele glauben, dass es in Japan für praktisch alles Maschinen und Automaten gibt, die Wohnungen vollgestopft sind mit Hightech und schon kleine Kinder mit Robotern spielen.

Diese Vorstellung ist jedoch schlichtweg falsch. Natürlich gehören Computer, Mobiltelefone, Digitalkameras, Spielekonsolen und andere Unterhaltungselektronik zum Alltag dazu, aber nicht mehr und nicht weniger als hierzulande auch. Im Gegensatz zu Deutschland finden sich in japanischen Wohnzimmern allerdings nur in Ausnahmefällen riesengroße Flachbildschirme, was schlichtweg daran liegt, dass der Wohnraum in Städten sehr teuer ist und entsprechend sinnvoll genutzt werden will.

Japanische Küchen wiederum sind meist sehr schlicht gehalten. Für große Kühltruhen oder Kühlschränke im Riesenformat fehlt der Platz und anstelle eines Hightech-Herds wird auf einem einfachen Gasherd gekocht.

Der einzige Ort, der tatsächlich dem Klischee entspricht, ist die Toilette. Diese ist in Japan nämlich wirklich ein multifunktionales Hightech-Teil, das mit Sitzheizung, Föhn und Bidet-Funktion ausgestattet ist und mithilfe von Vogelgezwitscher, das sich automatisch einschaltet, jedem möglichen Toilettengeräusch entgegenwirkt.  

 

Japaner ernähren sich sehr gesund.

Auf den ersten Blick scheint die japanische Küche eine leichte und sehr gesunde Küche zu sein. Schließlich sind Reis, Fisch und Meeresfrüchte, Gemüse sowie Wasser oder grüner Tee die Hauptzutaten, während auf schwere Rahmsaucen, Butter und Sahne verzichtet wird.

Aber im Alltag essen die Japaner anders als wir es aus dem japanischen Restaurant um die Ecke kennen. So gehört Reis zwar zu jeder Mahlzeit dazu und an sich ist Reis auch gesund, allerdings landet in Japan geschälter und polierter Reis auf dem Tisch. Dieser schneeweiße Reis hat nicht mehr viel mit vollwertigem Getreide zu tun, sondern ist letztlich nur noch eine Sättigungsbeilage aus klebriger Stärke.

Dass in Japan viel Fisch und Meeresfrüchte gegessen werden, ergibt sich aus der geographischen Lage, nur machen die diversen Umweltgifte eben auch vor Gewässern nicht halt. Frisches Gemüse und Obst ist in Japan sehr, sehr teuer.

Zudem sind Japaner große Freunde vom sogenannten processed food, also Lebensmitteln, die gewürzt oder eingelegt, vorgekocht oder vorfrittiert sind und nur noch mit heißem Wasser aufgegossen oder in der Mikrowelle aufgewärmt werden müssen. Der überwiegende Anteil von Gemüse und Obst, aber auch Nudeln und Reis, der in Japan auf den Tisch kommt, ist industriell aufbereitet und vorgefertigt.  

 

Geishas verdienen ihr Geld als Prostituierte.

Geishas sind ein fester Bestandteil der japanischen Tradition und vermutlich hat jeder schon einmal ein Bild gesehen, auf dem eine jener charakteristisch geschminkten, aufwändig frisierten und ansprechend gekleideten Damen zu sehen war. Aber auch wenn Geishas schon seit jeher in die Rolle der Gesellschafterin schlüpfen, ihren Gast unterhalten und ihn mit allerlei erlesenen Speisen und Getränken verwöhnen, so sind Geishas keineswegs Prostituierte.

Geishas absolvieren vielmehr eine lange und sehr umfangreiche Ausbildung, bei der die schönen Künste eine zentrale Rolle spielen. So lernen Geishas zu singen, zu musizieren und zu tanzen, sich anmutig zu bewegen und in jeder Situation souverän zu verhalten und sie sind in klassischer Literatur, in der Dichtung und in der Kunst geschult. Sie sprechen mehrere Sprachen, sind redegewandt und beherrschen die unterhaltsame, dabei aber unverfängliche und stets schmeichelhafte Unterhaltung.

Sie kennen die japanische Küche und wissen die Köstlichkeiten gekonnt zu servieren. Außerdem erlernen Geishas das traditionelle Styling inklusive Make-up, Frisur und Outfit. Geishas beherrschen ihr Handwerk meisterlich und werden für ihre unterhaltsame Gesellschaft gut bezahlt.

Sofern sich eine Geisha auf eine weitergehende, intime Unterhaltung einlässt, ist dies ihre ganz persönliche Entscheidung, die mit ihrem eigentlichen Beruf aber nichts zu tun hat. 

 

Mangas sind Comics aus Japan.

Helden in eher kindlichen Figuren und mit großen Augen sowie kreative Phantasiewesen sind typische Merkmale für Mangas. Richtig ist, dass Mangas aus Japan kommen. Strenggenommen sind Mangas aber keine japanischen Comics und hierfür gibt es zwei Gründe. Der erste Grund ist, dass Mangas ursprünglich Farbholzschnitte waren. Während der Edo-Periode verbreitete sich zunehmend die Unterhaltungsliteratur und um diese zu bebildern, wurden Mangas entwickelt.

Dabei wurden die kunstvollen Bilder in Holz geschnitzt, mithilfe von schwarzer Tusche gedruckt und bei teuren Büchern von Hand koloriert. Die Bilder entwickelten sich recht schnell zu eigenständigen Kunstwerken, die auch ohne die dazugehörigen Bücher gehandelt und zu beliebten Geschenken und Reisesouvenirs wurden.

Im Laufe der Zeit entstand dann eine Drucktechnik, die aus mehreren Schritten bestand und auch den Druck von Bildern in mehreren Farben ermöglichte. Gleichzeitig stießen Bücher, die mit immer weniger Text auskamen und dafür reich bebildert waren, auf große Zustimmung. Aus den Bilderbüchern, die e-hon genannt wurden und für Erwachsene bestimmt waren, entwickelte sich schließlich eine eigene Literaturform, nämlich die uns heute bekannten Mangas.

Der zweite Grund, weshalb Mangas nicht zwangsläufig japanische Comics sind, ist der, dass auch in anderen Ländern Asiens Comics gezeichnet werden. Die meisten Mangas, die in Deutschland erhältlich sind, stammen zwar aus Japan, aber beispielsweise auch in Korea und China gibt es einen großen Markt für Comics von einheimischen Zeichnern. In China heißen diese Comics dann Manhua und in Korea Manhwa.

 

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