Wer sind die Shaolin-Mönche?

Wer sind die Shaolin-Mönche?

Viele dürften den Namen “Shaolin-Mönche” irgendwo schon einmal gehört haben. Hierzulande werden die buddhistischen Mönche vor allem mit beeindruckenden Kampfszenen in Actionfilmen und mit Kung-Fu in Verbindung gebracht. Mit dem echten Klosteralltag hat dieses Bild aber nicht viel gemeinsam.

Die Klosterschüler werden zwar in den Kampfeskünsten unterrichtet, doch die religiösen Rituale und die Meditation spielen eine weit wichtigere Rolle als das Kampftraining.

Nur: Wer sind die Shaolin-Mönche eigentlich?

Da Mo und das Fundament des Shaolin-Kung-Fus

Wahrscheinlich war es ein indischer Mönch namens Bodhidharma, der die Kampfkunst der Shaolin-Mönche begründete. Die Legende besagt, dass der Mönch im sechsten Jahrhundert von Indien in die ostchinesische Provinz Henan reiste und sich in Song Shan im Tempel der Shaolin niederließ. Dort lehrte er Yoga- und Muskelübungen, die die Schüler auf ihrem Weg zur Erleuchtung unterstützen sollten. Dies soll der Grundstein für das Kung-Fu der Shaolin-Mönche gewesen sein.

Gleichzeitig führte der Mönch den Chan-Buddhismus, heute auch als Zen-Buddhismus bekannt, in dem Kloster ein. Eindeutige Belege für diese Legende gibt es nur bedingt. So steht fest, dass zwischen 512 und 527 ein Mönch im Shaolin-Tempel lebte, der Muskel- und Yoga-Übungen unterrichtete. Dieser Mönch wurde zum Abt und hieß Da Mo.

Da Mo wiederum ist der Name, den Bodhidharma in China erhielt. Ob und wie aus den Übungen die Kampfkunst der Shaolin-Mönche entstand, lässt sich kaum noch nachvollziehen. Bekannt ist, dass die Mönche im Jahre 610 in einen Konflikt verwickelt waren, als sie ihr Kloster gegen feindlich gesinnte Eindringlinge verteidigten. 621 stellten sie sich auf die Seite der Tang-Dynastie und setzten sie ihre Kampftechniken erfolgreich gegen General Wang Shichong ein.

Ob schon damals das Kampftraining fester Bestandteil des Klosteralltags war, ist nicht bekannt, zumal die erste schriftliche Aufzeichnung über die Kampfkunst der Shaolin-Mönche überhaupt aus dem Jahre 728 stammt.

Jue Yuan und die Tiere der chinesischen Astrologie

Im 7. Jahrhundert wurde der Zen-Buddhismus populär. Zahlreiche Menschen strömten in das Kloster, um als Shaolin-Mönch zu leben. Um den Ansturm bewältigen zu können, etablierten die Shaolin-Mönche strenge Aufnahmeverfahren.

Um 700 herum zählte das Kloster rund 1.500 Mönche, die nach den Regeln des Buddhismus lebten, beteten, meditierten und körperliche Übungen absolvierten. Seine große Blütezeit erlebte das Kloster aber erst viele Jahrhunderte später, und zwar konkret zwischen 1638 und 1644. Seinerzeit regierte die Ming-Dynastie das Land und förderte das Kloster, die Anzahl der Mönche stieg auf etwa 2.500.Die Shaolin-Mönche hatten ihre Kampftechniken weiterentwickelt und viele Variationen etabliert. Noch waren die Techniken aber nicht perfekt und so machte sich der Mönch Jue Yuan auf, um sich mit Kampfkunstexperten aus dem ganzen Land zu beraten.

Als er von seiner Reise zurückkehrte, hat er fünf neue Kampfstile im Gepäck. Die Stile waren an die fünf Tierkreiszeichen der chinesischen Astrologie angelehnt. Die Shaolin-Mönche sollten in den Übungen die Bewegungen der Tiere nachahmen, um so zu lernen, deren Fähigkeiten und Instinkte zu nutzen.

Dabei symbolisierte die Schlange die Dehnbarkeit, während der Drache für die geistige Entwicklung stand. Der Tiger wurde zum Sinnbild für starke Knochen und Muskeln, der Leopard für die Schnelligkeit, die Ausdauer und die Koordination. Der Kranich schließlich symbolisierte die allgemeine Kraft und Stärkung. Mit seinem neuen Ansatz stellte Jue Yuan das bisherige System um und führte 72 neue Übungen mit Griffen, Schlägen, Tritten und Würfen ein.

Die Shaolin-Mönche heute

Im weiteren Verlauf der Geschichte nach dem Ende der Ming-Dynastie wurde das Shaolin-Kloster mehrfach zerstört und immer wieder neu aufgebaut. Besonders hart wurde das Kloster in den 1920er-Jahren getroffen, als zwei Kriegsherren in Streit darüber gerieten, wem das Kloster gehörte. Im Zuge dieses Konflikts wurde das Kloster in Brand gesteckt.

Das Feuer kostete nicht nur sehr viele Mönche das Leben, sondern auch der Großteil der religiösen Kunstschätze und Schriften ging verloren. Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 ließ die Regierung die Mönche zunächst praktizieren. Doch nachdem Mao Zedong 1966 die Kulturrevolution ausgerufen hatte, brachen für die Mönche schwere Zeiten an.

Sie waren nicht mehr sicher, wurden verfolgt und vertrieben. Nur wenige Mönche widersetzten sich und blieben in den Ruinen ihres Klosters.

Erst in den 1980er-Jahren erteilte Chinas Regierung den Shaolin-Mönchen wieder offiziell die Erlaubnis, zu praktizieren. Außerdem unterstützte die Regierung den Wiederaufbau des Klosters. Damit fiel auch der Startschuss für die Gründung unzähliger Kung-Fu-Schulen, die sich rund um das Kloster ansiedelten und den Namen der Shaolin für Marketingzwecke nutzten.

Da dies dem Abt missfiel, setzte er sich für die Schließung der Schulen und die Enteignung der Kampfschulenbetreiber ein. 2001 war dieser Plan von Erfolg gekrönt. Heute leben die Mönche nach wie vor nach den sehr strengen Klosterregeln. So herrscht das Prinzip der Enthaltsamkeit, die Ehrung Buddhas ist allgegenwärtig und es gibt es eine klare Hierarchie. An unterster Stelle stehen die Klosterschüler, die für niedere Arbeiten wie das Kochen oder das Putzen zuständig sind.

Über ihnen stehen die Getreuen, die in Philosophie, der Traditionellen Chinesischen Medizin und der Kampfkunst unterrichtet werden. Wer sich bewährt und das Erlernte sicher beherrscht, kann die Stufe des Meisters erreichen. Bis heute ist das Kloster der Shaolin der einzige buddhistische Orden in China, in dem Kampfkünste aktiv gelehrt und gefördert werden.

Allerdings dürfen die Mönche die Kampftechniken nur dann anwenden, wenn die Umstände keine andere Wahl lassen. Der Klosteralltag ist zudem auch weniger vom Kampftraining, sondern vielmehr vom Gebet, der Meditation und anderen religiösen Ritualen geprägt. Schaukämpfe für Touristen hingegen finden ihre Bühnen außerhalb der Klostermauern.

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