Die japanische Kultur – ein Überblick

Die japanische Kultur – ein Überblick

Eine Reisegruppe aus Japan schwärmt aus ihrem Bus aus, schaut sich recht zügig die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an und schießt noch schnell ein paar Fotos, um dann in den Reisebus zurückzukehren und das nächste Ziel anzusteuern. Dieses typische Bild, das uns mitunter ein wenig schmunzeln lässt, sagt sehr viel über die japanische Kultur aus.

Denn die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, eine klar geregelte Ordnung und ein harmonisches, rücksichtsvolles Miteinander sind in Japan so etwas wie die Grundpfeiler der Gesellschaft. Wer die Ideen und Prinzipien der zwischenmenschlichen Umgangsregeln kennt, wird viele alltägliche Abläufe, Sitten und Gepflogenheiten besser verstehen.

Hier deshalb ein Überblick über die japanische Kultur:

Die japanische Kultur und der Wunsch nach Harmonie

In Japan ist das Bedürfnis nach Harmonie stark ausgeprägt. Gleichzeitig ist es für die Japaner wichtig, dass alles seine festen Strukturen und seine klare Ordnung hat. So fühlen sie sich wohl und sicher, denn durch verbindliche Regeln sinkt die Gefahr, in ein Fettnäpfchen zu treten und dadurch möglicherweise die Harmonie zu stören.

Aus diesem Grund gibt es in der japanischen Kultur für praktisch jede Situation auch eine entsprechende Benimmregel und die Regale der Buchhandlungen sind voll mit unzähligen Ratgeberbüchern.

Die Idee, durch Etikette für Harmonie zu sorgen, ist in Japan schon sehr lange üblich. So enthielt sogar Japans erste Verfassung aus dem Jahre 604 Regelungen, die sich auf gute Manieren und ein höfliches Auftreten bezogen. Das Gesetzeswerk richtete sich damals aber noch ausschließlich an die Oberschicht. Die Samurai achteten ebenfalls penibel auf die Etikette, denn so sollte die soziale Ordnung gesichert bleiben. Das Verhalten, die Gepflogenheiten, die Sprache und die Kleidung waren die Instrumente, durch die sich die Angehörigen höherer Hierarchieränge vom einfachen Volk abgrenzen konnten.

Die japanische Kultur und das Streben nach Gruppenzugehörigkeit

Das Harmoniebedürfnis steht in enger Beziehung zu dem Wunsch, in eine Gruppe eingegliedert zu sein. Das Ziel besteht darin, dem harmonischen Gruppengefüge anzugehören und keineswegs (negativ) aufzufallen. Sich in die sozialen Strukturen einzuordnen, ist deshalb die wichtigste Lektion, die die japanischen Kinder im Kindergarten und in der Grundschule lernen.

Um den Gemeinschaftssinn noch weiter zu prägen und zu stärken, werden innerhalb der Kindergartengruppen und Schulklassen weitere Untergruppen gebildet. Die Kinder einer solchen Gruppe lernen gemeinsam und sind für bestimmte Aufgaben zuständig, beispielsweise das Aufräumen der Unterrichtsräume oder das Tischdecken für das Mittagessen.

Das Ganze wird überdacht von der Bildungsstätte als Hauptgruppe, die bei allen Kindern den Wunsch nach Zugehörigkeit wecken soll. Dies wiederum wird gefördert, indem die Kinder einheitliche Schuluniformen tragen und regelmäßig gemeinsam das Schullied singen. Damit der Gemeinschaftssinn auch in den Ferien nicht zu kurz kommt, besuchen die Kinder Ferienkurse. Sie heißen gasshuku und umfassen ein Unterhaltungsprogramm in der Gruppe.

Im Unterschied zu den Ferienkursen ist der Schulalltag von Leistungsdruck geprägt. Sowohl die Eltern als auch die Lehrer erwarten von den Schülern, dass sie später für ein namhaftes Unternehmen tätig werden und dort Karriere machen. Voraussetzung dafür ist aber ein Studium an einer renommierten Universität. Auch die Universitäten in Japan folgen einer hierarchischen Reihenfolge und so spielt es letztlich weniger eine Rolle, was ein Absolvent studiert hat. Entscheidender als das Fach ist, wo er sein Studium absolviert hat.

Die Plätze an den Elite-Universitäten sind jedoch begrenzt. Deshalb können nur die Schüler einen Platz ergattern, die die besten Ergebnisse bei der Aufnahmeprüfung erzielen. Der Prüfungsmarathon beginnt aber schon sehr viel früher. Schon bei Kindergärten, die besonders beliebt sind und gute Chancen auf den späteren Wechsel auf eine angesagte Grundschule bieten, werden mitunter Aufnahmeprüfungen durchgeführt. Nach der Mittelstufe steht dann die nächste Prüfung an, die den Weg für den Besuch einer renommierten Oberschule eröffnen soll.

Von der Oberschule aus geht es im Idealfall – und wieder nach erfolgreich gemeisterter Prüfung – schließlich auf einer angesehenen Universität weiter. Während der Schulalltag anstrengend und stressig ist, geht es im Studium eher entspannt zu. Nach Abschluss des Studiums besteht das Ziel darin, sich der nächsten Gruppe anzuschließen. Diese Gruppe ist ein Unternehmen. Idealerweise sollte es sich bei dem Unternehmen um eine möglichst große und namhafte Firma handeln, für die der Arbeitnehmer dann traditionell auch sein gesamtes Berufsleben lang tätig ist.

Neue Mitarbeiter, die kohai, werden in Japan mit einer feierlichen Aufnahmezeremonie willkommen geheißen. Zu Beginn ihrer Tätigkeit findet eine Art Grundausbildung statt. Im Zuge dieser Grundausbildung durchlaufen die kohai alle Abteilungen, um auf diese Weise den gesamten Berieb und die Ideologien der Firma als Gruppe kennenzulernen.

Als Vorbilder in Sachen Verhalten und Umgangsformen dienen ihnen dabei die senpai. Die senpai sind die Kollegen, die schon länger bei der Firma arbeiten. Innerhalb der Abteilungen ist ebenfalls Teamarbeit angesagt. Um die sozialen Kontakte zu pflegen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und für eine gute Harmonie innerhalb der Gruppe zu sorgen, ist es in Japan üblich, nach Feierabend mit den Arbeitskollegen auszugehen.

Das Frauenbild in der japanischen Kultur

In Japan ist es normalerweise der Mann, der die Karriere macht. Frauen haben zwar ebenfalls eine gute Schulausbildung und oft ein erfolgreich abgeschlossenes Studium. Allerdings scheiden sie nach der Heirat oder spätestens, wenn sich Nachwuchs ankündigt, meist aus dem Berufsleben aus. Da es sich aus Sicht der Unternehmen deshalb kaum lohnt, Frauen intensiv einzuarbeiten, bekommen sie oft nur einfachere Jobs.

Der Geschlechterunterschied kommt übrigens auch im allgemeinen Sprachgebrauch zum Ausdruck. So heißt ein männlicher Arbeitnehmer in Japan sarariman, wobei sich diese Bezeichnung vom englischen salary für Gehalt ableitet. Eine weibliche Angestellte wurde früher ofisu garu, abgeleitet vom englischen office girl, genannt. Inzwischen wird mit etwas mehr Respekt von der ofisu redi, der office lady, gesprochen.

Dass ein sarariman deutlich mehr verdient als eine ofisu redi versteht sich vermutlich von selbst. Inzwischen findet in Japan jedoch ein Umdenken statt und Haushalte mit zwei Verdienern werden immer häufiger. Allerdings ist diese Entwicklung weniger eine Abkehr von den alten Traditionen, sondern vielmehr der schwierigeren Wirtschafts- und Finanzlage geschuldet. Bis in die 1990er-Jahre hinein waren japanische Ehe in vielen Fällen reine Zweckgemeinschaften.

Der Familienvater arbeitete an sechs Tagen der Woche, wobei er früh morgens das Haus verließ und sehr spät abends erst wieder nach Hause kam. Die Frau kümmerte sich um den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Nur die Sonntage standen im Zeichen der Familie. Da die Eheleute so kaum Zeit miteinander verbrachten, zeigte sich oft erst nach der Pensionierung des Familienvaters, wie gut die Eheleute wirklich miteinander harmonierten.

Die Scheidungsrate bei Paaren im Rentenalter war und ist in Japan vergleichsweise hoch. Allerdings gibt es mit Blick auf die Ehen eine große Besonderheit in der japanischen Kultur. So ist es in Japan üblich, dass die Frau über das gesamte Haushaltseinkommen verfügt und sich um das Bankkonto kümmert. Der Mann erhält von ihr lediglich ein Taschengeld.

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