Interessante Tischsitten in Asien

Interessante Tischsitten in Asien 

Wer Asien bereist, wird sicher nicht nur im Hotel essen, sondern auch Restaurants oder Lokale besuchen, in denen Einheimische speisen. Vielleicht wird er sogar von einem einheimischen Gastgeber zum Essen eingeladen. Dabei wird er dann mitunter Tischsitten kennenlernen, die ihn etwas irritieren, manchmal auch komplett erstaunen werden.

Denn was hierzulande üblich ist und von guten Manieren zeugt, kann vor Ort als sehr merkwürdig oder gar beleidigend angesehen werden. Umgekehrt kann das, was hierzulande als unhöflich gilt, am asiatischen Tisch zum guten Ton gehören.

Damit sich bei der nächsten Asienreise die Verwunderung und das Blamagepotenzial in Grenzen halten, stellt die folgende Übersicht ein paar interessante Tischsitten in Asien vor:   

 

China

Die Grundidee in China besteht darin, dass jeder sein Essen genießen und es sich dabei so richtig gut gehen lassen soll. Deshalb ist es völlig normal, wenn laut geschmatzt, genüsslich geschlürft oder mit vollem Mund gesprochen wird. Auch parallel zum Essen genüsslich eine Zigarette zu rauchen, ist nichts Ungewöhnliches.

Sehr unhöflich wäre es lediglich, die Zigaretten einfach wieder einzupacken, ohne denjenigen, die mit am Tisch sitzen, ebenfalls eine Zigarette anzubieten. Doch auch wenn es verglichen mit deutschen Tischmanieren in China sehr locker zugeht, gibt es hier ebenfalls ein paar Sitten, die unbedingt eingehalten werden sollten.

So ist es ein absolutes Tabu, seine Stäbchen in den Reis zu stecken. Diese Geste symbolisiert die Ehrung von Verstorbenen und gehört deshalb ausschließlich zu Beerdigungen. Steckt jemand seine Stäbchen bei einem normalen Essen in den Reis, wird dies nicht nur als äußerst unpassend gewertet, sondern sogar als böses Vorzeichen verstanden.

Ein weiteres No-Go ist es, sich die Nase am Tisch zu putzen. Das Naseputzen sollte grundsätzlich auf der Toilette stattfinden und nicht in dem Raum, in dem gegessen wird.  

 

Indien

Vor allem in gehobenen Restaurants ist es zwar üblich, Gabel und Messer zu benutzen. Ansonsten wird es aber vorgezogen, auf Besteck zu verzichten und stattdessen mit den Fingern zu essen. Die Idee dahinter ist, dass eine Speise immer zuerst mit den Augen, danach mit den Fingern und zum Schluss mit dem Mund genossen werden sollte. Beim Essen ist nur die rechte Hand im Einsatz und im Idealfall bleibt die Handfläche sauber.

Die linke Hand gilt als unrein und sollte weder direkt noch indirekt mit Nahrung in Kontakt kommen. Deshalb werden auch die Schälchen und Schüsseln nicht mit der linken, sondern mit der rechten Hand weitergereicht. Ebenso wie die linke Hand gilt auch der Speichel als unrein. Aus diesem Grund wird der Asienreisende häufig beobachten können, dass vor allem kleinere Lebensmittel wie Nüsse nicht zwischen die Lippen gesteckt und so in den Mund geschoben werden. Stattdessen werden sie mit etwas Abstand in den Mund geworfen.

Völlig normal wiederum ist es, wenn während und nach dem Essen laut gerülpst wird. Auch nach der Nahrungsaufnahme auf den Boden zu spucken, ist bei einem Mahl im Freien nicht ungewöhnlich.   

 

Japan

In vielen asiatischen Ländern ist es üblich, beim Essen laut zu schmatzen und zu schlürfen. In Japan gibt es nur ein einziges Gericht, bei dem das hörbare Schlürfen mit Wohlwollen registriert wird, nämlich bei einer traditionellen Nudelsuppe.

Nach japanischem Verständnis kann sich das volle Aroma der Nudeln erst und nur dann entfalten, wenn sie hörbar aus der Suppe aufgesaugt werden. Ansonsten wird in Japan bei Tisch weder geräuschvoll geschlürft noch geschmatzt. Als unhöflich gilt es, seinen Reis mit Sojasoße zu übergießen. Ein absolutes Tabu hingegen ist es, die eigenen Essstäbchen zu verwenden, um einem Tischnachbarn Speisen zu reichen.

Diese Geste ähnelt nämlich einem Ritual bei buddhistischen Beerdigungen. Bei diesem Ritual werden die Knochen des Verstorbenen sortiert.   

 

Korea

In Korea gibt es keine Menüs, bei denen die Gänge jeweils nacheinander serviert werden. Stattdessen werden alle Speisen gleichzeitig aufgetischt und jeder darf sich aus allen Schälchen und Schüsseln bedienen. Allerdings gebietet es die gute Kinderstube, dass die Mahlzeit erst dann beginnt, wenn der Älteste am Tisch angefangen hat, zu essen. Es gilt als äußerst unhöflich und fast schon respektlos, nicht abzuwarten, bis der Älteste zu essen beginnt. Während des Essens herrscht Stille.

Die Essenden sollen sich nämlich auf den Genuss der Speisen und nicht auf irgendwelche Gespräche konzentrieren. Wenn Getränke ausgeschenkt werden, erfolgt dies üblicherweise mit beiden Händen. Deshalb sollte ein Getränk immer auch mit zwei Händen entgegengenommen werden. An einigen Tagen findet in Korea ein Festmahl zu Ehren der Ahnen statt. An diesen Feiertagen wird die Tafel spiegelverkehrt eingedeckt und auf einer Seite des Tisches wird ein Foto des Verstorbenen aufgestellt.

Dadurch ist der Verstorbene zumindest symbolisch bei dem Festmahl anwesend. Ihm zu Ehren werden die Essstäbchen oder ein Löffel in den Reis gesteckt. An allen anderen Tagen haben in den Reis gesteckte Esswerkzeuge am Tisch nicht zu suchen. 

 

Russland

In Deutschland gebietet es die Höflichkeit, seinem Gesprächspartner in die Augen zu schauen. In Russland wird dies aber als aufdringlich und damit unhöflich empfunden. Dafür ist es ein Zeichen von Gastlichkeit, wenn der Gastgeber seinen Gästen die Speisen regelrecht aufzwingt. Lehnt ein Gast es ab, mitzuessen, stößt er den Gastgeber damit vor den Kopf.

In Russland besteht ein traditionelles Menü zwar nur aus vier Gängen, aber trotzdem braucht es eine gute Kondition. Der Koch oder die Köchin erwarten nämlich, dass ein Gast von allen Speisen probiert. Dies kann deshalb ein wenig schwierig werden, weil ein Gast nicht nur ständig zum Essen aufgefordert wird.

Stattdessen wird sein Teller kurzerhand wieder aufgefüllt, wenn er leer ist. Ein leerer Teller signalisiert dem Gastgeber nämlich, dass der Gast offensichtlich noch hungrig ist. Wer keinen Nachschlag mehr möchte, sollte deshalb einen kleinen Rest auf seinem Teller liegen lassen.

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